Aufbauend auf unserem Vorgänger-Projekt „Muslimisch gelesene Vielfalt im Gespräch“ möchten wir Menschen für Antimuslimischen Rassismus sensibilisieren. Mit unserem Anschlussprojekt empowern wir muslimische und muslimisch gelesene Personen, indem wir sie durch eine Fortbildungsreihe dabei unterstützen,ihr bestehendes Wissen und ihre didaktischen Fähigkeiten zu festigen.
Im Anschluss führen sie eigenständig Workshops in christlichen Institutionen und Behörden durch. Mithilfe dieser Workshops werden Verbündete aus der sogenannten Mehrheitsgesellschaft geschult, wodurch ein tieferes Verständnis und ein gesteigertes Bewusstsein für Antimuslimischen Rassismus gefördert wird.
So schaffen wir Räume für Dialog, Reflexion und nachhaltige Veränderung.
Unsere konkreten Ziele:
Fortbildungen als Tool zum Empowerment & Qualifizierung von muslimischen oder muslimisch gelesenen Multiplikator:innen (bereits abgeschlossen)
Allyship mit Mitgliedern der sogenannten Mehrheitsgesellschaft
Workshops zu Sensibilisierung und Aufklärung zu Antimuslimischem Rassismus
Hintergründe und Beobachtungen
Antimuslimischer Rassismus ist in Deutschland weit verbreitet und manifestiert sich in verschiedenen gesellschaftlichen und institutionellen Kontexten. Dies führt zu strukturellen und individuellen Benachteiligungen von muslimischen und muslimisch gelesenen Menschen, die durch stereotype Zuschreibungen und Fehlwahrnehmungen noch verstärkt werden. Dies beeinträchtigt ihre soziale Teilhabe und das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft.
Studien zeigen die alarmierende Dimension dieses Problems: Laut des Zentrums für interdisziplinäre Migrationsforschung (DeZIM) sind Menschen muslimischer Herkunft in Deutschland überproportional von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen. Der Lagebericht der CLAIM Allianz gegen Muslimfeindlichkeit dokumentierte allein im Jahr 2023 insgesamt 1.926 Vorfälle, die Antimuslimischem Rassismus zugeordnet werden können. Zudem hebt der UEM Bericht (2023) vor, dass muslimisch gelesene Menschen eine der am stärksten unter Druck stehenden Minderheiten in Deutschland sind.
Trotz dieser Daten gibt es erhebliche Wissenslücken, insbesondere in Bezug auf die langfristigen psychologischen Folgen von Antimuslimischem Rassismus und die intersektionalen Perspektiven. Gleichzeitig mangelt es in der Mehrheitsgesellschaft oft am Willen, dieses Problem zu erkennen und aktiv dagegen vorzugehen.
Diese Dringlichkeit unterstreicht die Bedeutung dieses Projekts: Es bedarf gezielter Maßnahmen zur Sensibilisierung, Aufklärung und strukturellen Veränderung, um Antimuslimischen Rassismus langfristig zu bekämpfen.
Zielgruppen
Dieses Projekt richtet sich in erster Linie an drei Zielgruppen: muslimische oder muslimisch gelesene Menschen, christliche Institutionen und Behörden.
Zum einen richtet es sich an alle Menschen, die sich als muslimisch verstehen oder durch Zuschreibungen so markiert werden. Sie sind herzlich eingeladen, an Fortbildungen als Teil der muslimisch-gelesenen Vielfalt teilzunehmen und im Anschluss Workshops selbst durchzuführen. Mit diesem Projekt wollen wir explizit diejenigen Menschen erreichen, die Antimuslimische Ausgrenzung erfahren – unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Orientierung oder Religionszugehörigkeit.
Die Fortbildungsreihe für muslimische und muslimisch gelesene Menschen ist bereits abgeschlossen.
Andererseits bilden Allyships mit christlichen Institutionen, Bildungseinrichtungen und Behörden eine solide Grundlage für dieses Projekt. Diese Verbündeten spielen in diesen Bereichen der Gesellschaft eine Schlüsselrolle und haben daher das Potenzial, das Bewusstsein für Antimuslimischen Rassismus zu schärfen und ihn in ihre Arbeit zu integrieren. Diese Verbündete tragen dazu bei, gesellschaftliche Machtstrukturen in Frage zu stellen und aktive Solidarität zu zeigen.
Durch Workshops, Diskussionen und Kooperationen werden die Teilnehmer motiviert, sich für eine gerechtere Gesellschaft einzusetzen und aktiv zu Allyship beizutragen. Dadurch wird ein nachhaltiger gesellschaftlicher Wandel gefördert und echte Unterstützung und Engagement für diskriminierte Gruppen ermöglicht.
Projektphasen und Vorgehen
Jan. 2025 - März 2025
Phase I (3 Monate)
Bekanntmachung des Projektes
Konzeption der Workshop-Inhalte mit Train-the-Trainer:innen
Konzeption der Workshop-Inhalte mit Train-the-Trainer:innen
Erhebung eines Pools an Multiplikator:innen
Kontaktaufnahme mit potentiellen Allys
In dieser Phase wird ein Pool an interessierten muslimisch gelesenen Multiplikator:innen aufgebaut, die Workshop-Inhalte für die Qualifizierung im Train-the-Trainer-Format entwickelt und Hintergrundgespräche mit potentiellen Allys geführt.
Phase II – Qualifizierungsphase
Fachliche und methodische Qualifizierung der Multiplikator:innen
Durchführung der ersten Workshops durch Multiplikator:innen
Feedback-Runden & Anpassung der Workshop-Inhalte
Öffentlichkeitsarbeit
In der zweiten Phase geht es vor allem darum, Multiplikator:innen durch eine sieben-tägige Fortbildung zu qualifizieren. Im Anschluss haben die Teilnehmenden die Chance, zeitnah ihre ersten Workshops an Institutionen unserer Allys in Tandems, also in einem zweier-Team, durchzuführen. Somit kreieren muslimisch gelesene Menschen, einen Raum, in dem sie gezielt Menschen für Antimuslimischen Rassismus sensibilisieren können. Durch Feedbackrunden und Auswertungsgespräche nach den ersten Workshops werden die Workshop-Inhalte entsprechend angepasst.
Phase III – Transferphase – muslimisch gelesene Vielfalt in Workshops
Fortführung der Workshop-Aktivitäten
Kontinuierliche Anpassung der Workshop-Inhalte nach Feedback
Die Projektphase III bildet den Kern der Projektidee. In dieser Phase werden weitere Workshops durchgeführt und angeboten. Die Inhalte der Workshops werden nach Feedbackrunden kontinuierlich angepasst. Ziel ist es, Workshops in verschiedenen Institutionen, christlichen, gesundheitlichen oder behördlichen, durchzuführen, damit das Bewusstsein für das Thema Antimuslimischer Rassismus in der Mitte der Gesellschaft gefördert und als gesellschaftliches Problem verstanden wird.
Abschluss – Ergebnissicherung und Disemination
Transfer der Ergebnisse nach Außen durch Erstellung einer Podcast-Folge und eines Handbuches
Ally-Treffen
Multiplikator:innen-Treffen
Erstellung von individuellen Zertifikaten für Multiplikator:innen
In dieser Phase ist der Schritt an die Öffentlichkeit geplant. Die in den Workshops gesammelten Erfahrungen sollen in Form einer Pilot-Podcast-Episode und eines Handbuches gespeichert und anderen Menschen zugänglich gemacht werden. Weitere Podcast-Episoden werden im folgenden Jahr entstehen. Ein abschließendes Ally-Treffen und ein Austauschtreffen für die Multiplikator:innen sind geplant. Diese Momente dienen vor allem der Vernetzung untereinander, dem Aufbau langfristiger Partnerschaften und der Schaffung eines Ressourcenpools (Workshop-Konzepte etc.).
Was wir nicht machen
Die Türkische Gemeinde in Deutschland e.V. ist ein weltanschaulich neutraler Verband – in dieser Rolle sind wir auch darauf sensibilisiert, dass die Repräsentation und Aushandlung von islamrechtlich-theologischen Fragestellungen nicht in unser Aufgabengebiet fallen. Fragen nach dem Wesen des Islams, (normative) theologische Auslegungen oder Aspekte des Erlaubten und Verbotenen sind nicht Gegenstand unseres Projektrahmens. Vielmehr möchten wir Prozesse begleiten und unterstützen, Antimuslimischen Rassismus in der sogenannten Mehrheitsgesellschaft bewusst machen und als Problem erkennen.
Die Grundsatzpositionen der TGD zu Staat – Gesellschaft – Religion finden Sie hier auf Deutsch und hier auf Türkisch.
Unsere Prinzipien der Kommunikation
Das Projekt „Muslimisch gelesene Vielfalt im Gespräch“ möchte ein Workshop- und Begegnungsformat sein, in dem es darum geht für Antimuslimischen Rassismus in der sogenannten Mehrheitsgesellschaft zu sensibilisieren. Dabei können unterschiedliche Ansichten und Meinungen zusammengebracht und diskutiert werden. Auch wenn es ggf. kontrovers zugehen kann, muss auch darauf geachtet werden, dass Diskussionen respektvoll und konstruktiv bleiben, um ein nachhaltiges Umdenken anzustreben. Daher ist es umso mehr wichtig, dass sich jede:r einzelne:r der Teilnehmende angstfrei und vorbehaltlos einbringen kann, um diesen Anspruch gerecht werden zu können. Als Projektträgerin möchten wir also für eine möglichst angenehme und offene Gesprächsatmosphäre für alle in den Fortbildungen und Workshops sorgen. Dieser Anspruch hat uns auch dazu gebracht, einige Regeln festzuhalten, die wir als Mindeststandard für die Kommunikation im Rahmen des Projektes betrachten. Dabei geht es nicht, um Bevormundung, Zensur oder Denkverbote, sondern um die Voraussetzungen für ein jedes partizipatives, respektvolles und produktives Gespräch mit und zwischen der muslimisch gelesenen Vielfalt.
Regeln der Kommunikation
Wir bitten die Grundsätze eines solidarischen und produktiven Umgangs miteinander stets zu beachten
In geschlossenen Diskussionsräumen und den Workshops etc. folgen wir den sog. Chatham House Rules – Diese besagen, dass zwar die Themen und Inhalte aus den Gruppen nach außen getragen werden dürfen, aber ohne, dass die Identität des Redners oder der Rednerin preisgegeben wird. (Mit anderen Worten: Was gesagt wurde, darf nach außen gelangen – Wer was gesagt hat, darf NICHT nach außen gelangen).
Unangekündigte Mitschnitte oder Fotos der Teilnehmenden oder der Diskussionsverläufe sind untersagt
Wir bitten um ein hohes Maß an gewaltfreier Kommunikation im gesamten Dialogprozess, dazu gehört es natürlich auch auf abwertende, diskriminierende und/oder beleidigende Sprache zu verzichten.
Eine rassismus- und sexismuskritische Kommunikation wird vorausgesetzt.
Du hast Fragen, Ergänzungen oder Anregungen zu unseren Regeln der Kommunikation? Bitte zögere nicht, Dich an uns zu werden…
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